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Der Wald in Gottschee
Gottscheer Kalender 2002
Der größte Reichtum der Gottschee waren die ausgedehnten Wälder.

Noch heute gehören sie zu den letzten Oasen der ursprünglichen Natur. Hundertjährige Baumriesen ragen bis zu 50 m empor und haben einen Durchmesser bis 1,5 m.
Schon zur Zeit der ersten Besiedlung haben die Wälder für die Gottscheer eine bedeutende Rolle gespielt. Einmal wegen der fortschreitenden notwendigen Waldrodung, die für den weiteren Siedlungsgang die Grundlage zu bilden hatte, dann auch wegen der Nutzungen, die der Wald an Holz und Jagd gab. Die Waldordnung des Grafen Friedrich von Ortenburg (Wer sein Land, d. h. natürlich auch Wald, ungehindert neun Jahre und einen Tag genossen, bewirtschaftet hat, ist dessen Eigentümer) gab unseren Vorfahren schon 1406 eine Besitzlegitimation

Der Waldreichtum des Gottscheer Landes geht Jahrhunderte zurück. Nicht menschliche Pflege hat die Wälder wachsen lassen. Seine Fülle und seine Wildheit erhielt sich, weil der Mensch nicht weiter in die Bergwälder zu ihrer Rodung eindrang. Es ist für mitteleuropäische Verhältnisse beeindruckend, wenn zusammenhängender Wald eine Fläche von 150 km= bedeckt, wie z. B. im Hornwald, annähernd die Fläche des Fürstentums Liechtenstein! Trotzdem war dieser noch stärker mit Siedlungen durchsetzt als das Rieg‑Göttenitzer Bergland; die Herrschaft gab eben nicht überall Boden für die Rodungen und Siedlungen frei.

Die Wälder Gottschees sind für die Erhaltung der Zusammensetzung der Erdkrume von unschätzbarem Wert. Sie stellen geradezu ein meteorologisches Moment dar. Der Wald fördert die Feuchtigkeit der Luft. Die trocknende Tätigkeit des Windes vermag in das Blätter‑ und Astdach dichter Wälder nicht im gleichen Maße einzugreifen wie über offene Flur und freies Feld. Auch die Sonne dringt durch den Laub‑ und Nadelschirm nicht bis zum Boden hinab, so daß die Verdunstung nur langsam vor sich geht. Vor allem aber auch, was im Karstlande von besonderer Bedeutung ist, diese Verlangsamung der Einwirkung von Wind und Sonne hindert die Zersetzung der Bodenkrume; sie verwandelt ihre schwache Lehmdecke zu feuchtem Humus, so daß diese nicht schnell in die zahlreichen Spalten des Kalkbodens geführt wird.

Rotbuche, Fichte und Edeltanne, seltener Eiche, Ulme, Linde und Lärche, in unteren Lagen Birke und Eberesche, bilden den Hauptbestandteil der Bergwälder. Die Rotbuche hatte ursprünglich die Oberhand, vor allem im Westen des Landes. Doch zur Erreichung schnellerer und ertragreicherer Holznutzung hat man seit etwa 1880 bei Neuaufforstungen der Edeltanne und Fichte den Vorzug gegeben.

Die Bedeutung des Waldes für das Wirtschaftsleben von Gottschee war außergewöhnlich groß. Fast sämtliche Gebirgszüge und Vorberge, aucl die meisten Inselberge des Gottscheer Unterlandes , waren bis zur halben Höhe der Hänge mit Wald bedeckt. Um 1900 standen 8,6 % Ackerland 20,6 % Wiese 1,7 % Gärten und Weingärten 34,7 % Wald und 34,4 % Hutweide gegenüber (heute hat der Wald auch ehemaliges Weide‑ uni Ackerland in Besitz genommen).

Schon frühzeitig haben sich die Auersperger nach Erwerbung der Herrschaft Gottschee der Obhut der bedeutenden Wälder angenommen. Zuers wohl, weil sie leidenschaftliche und beherzte Jäger waren und daher die Pflege des Tierbestandes in die Hände von Fachmännern de Weidmannswerks zu legen bestrebt waren. Der Josephinische Kataster gibt 1770 deren Waldbesitz mit 75.000 Joch an (1 Joch = 5755 m2). Dies Fläche hatte sich bis zum Jahre 1823 durch Rodung auf 48.000 Joch verringert. Nach den Reformen des Jahres 1848 verblieben den Auersperger: noch 32.000 Joch. Diese Fläche verteilt sich auf drei zusammenhängende große Reviere. Den größten Raum nahm der Göttenitzer Komplex ei (14.000), dem der Hornwald (12.500) um weniges nachstand, während der Friedrichsteiner Wald nur 4.000 Joch umfaßte. Bei der Aufteilung de Waldländereien im Jahre 1848 sind ansehnliche Flächen in den Besitz der Gemeinden gelangt. So fand eine allgemeine Aufteilung unter di Dorfbewohner statt.

Zu Mitte des 19. Jahrhunderts traten wirtschaftliche Gründe hinzu, dem Wald planmäßige Aufsicht und kunstgerechte Nutzung angedeihen zi lassen. Der Bau der Eisenbahnlinie Wien ‑ Triest von 1854 bis 1857 gab den Gottscheern Gelegenheit erfolgreich auf dem Holzmarkt aufzutre ten. Da inzwischen die Wälder durch Waldstraßen der Herrschaft nutzbar geworden waren, konnte das in vielen Sägen anfallende Schnittholz aber auch die Holzkohle dem Weltmarkt zugeführt werden.

Der Reichtum an Wäldern gab der Entwicklung der Holzverarbeitung die beste Grundlage. Teller‑ und Schüsseldrechsler, Löffel‑ und Siebmacher, Holzfäßchen‑ (Pütscharle‑) Erzeuger, Schatullenhersteller u. A. fanden damit ihren Lebensunterhalt. Um dil Holzverarbeitungsindustrie der Gottscheer zu erhalten und zudem dieser häuslichen Kunstfertigkeit neue Impulse zu geben wurde im Jahre 188: die Holzfachschule in der Stadt Gottschee errichtet. Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts hielt sich die Holzverarbeitung al Hausindustrie.